Sprache zum Klingen gebracht – Markus Manfred Jung erhielt die Hebelplakette

Geschrieben: 25. Mai 2013 | Autor: | Kategorisiert unter: Allgemein | Keine Kommentare »

[Mit frdl. Genehmigung der Badischen Zeitung / der Autorin.]

Bürgermeister Martin Bühler (li) dankt Hebelplakettenträger Markus Manfred Jung für das
Gastspiel im Hebelhaus.

1975 schrieb Markus Manfred Jung seine erste Geschichte; sie avancierte zu preisgekrönter Prosa, machte Mut und gab den Anstoß zum weiteren Schaffen. Bis heute ist sein Weg mit Auszeichnungen gepflastert, die jüngste stellt die Hebelplakette dar – traditionell schließt sich der Verleihung die Lesung vor dem Hebelfest an. Der Abend im Hebelhaus vor ausgesuchtem Publikum war eine komprimierte Rückschau auf nahezu vier Jahrzehnte kreativer Tätigkeit. Erkennen ließ sich, dass Inhalte stets vom persönlichen Werdegang geprägt waren. Das Schreiben kommt aus einem selbst, erklärte Jung das. Erfreulich sei, wenn sich der Leser den Inhalten anschließen könne. Nicht immer habe er diesen Nerv getroffen, vor allem nicht bei ironischen Versen. Doch Ironie sei ohnehin ein schwieriges Fach.
Die Gunst der Leserschaft zu erringen gelang ihm spätestens mit dem Gedichtband „Rägesuur“. 1986 nahm er sich des Reizthemas „saurer Regen“ an. Junge Autoren äußern sich gern politisch, kommentiert Jung das im Rückblick. Nach und nach wuchs das Œuvre an auf 18 Titel. Einige seien vergriffen, gelegentlich lasse sich ein Exemplar bei „Ebay“ erwerben, so der Autor launig. Aus jedem Gedichtband vorzulesen, war seine Intention, meinte er augenzwinkernd. Humor zeigte sich auch in den Erläuterungen, die seiner Karriere galten. Deutlich wurde, dass ihn einstige Ambitionen im gereiften Alter schmunzeln lassen. So mancher seiner früheren
Gedanken könne er nicht mehr folgen, erinnere sich aber, sie geschrieben zu haben. Andere seien frisch wie zur Zeit der Niederschrift. Der Tod des Vaters Gerhard Jung etwa, „Hoch- und Vordenker“, der ihn neben dem Vorbild Johann Peter Hebel, prägte.
Mit väterlichem Rat fand das Nachwuchstalent die richtigen Bahnen, unter anderem riet der Erfahrene, Mundart zu verwenden. Der Sohn beherzigte das, um festzustellen, dass diese mehr „Möglichkeiten und Vieldeutigkeiten“ enthalte und Musik. Diese brachte der frischgebackene Hebelplakettenträger bei der Lesung unentwegt zum Klingen, darunter Auszüge aus „Halbwärtsziit“ von 1989, einer Phase, in der es hieß, „de Gerhard Jung komme, numme eweng jünger“. Viele Erlebnisse weiter spricht der Mundartdichter davon, Vertrauen in den Leser gewonnen zu haben. Durch einen Plagiatsvorwurf erkannte er, dass man sich Formulierungen anderer merke, ohne es zu wissen. Selbstkritisch ging er mit einem (fast verpatzten) Fernsehauftritt um, und von starker Geradlinigkeit zeugte die Begründung, warum er seit 2008 nichts mehr veröffentlicht habe. Bei einem Autorentreffen amüsierte man sich noch über das verlorene Notizbuch Martin Walsers. Dann verlor er es selbst, so Jung, und damit die Aufzeichnung vieler Jahre.
Das Nachdenken überlasse er dem Leser, habe Hebel einst geäußert, ein Credo, das schon Gerhard Jung aufgriff und das sich ebenso für Markus Manfred Jung anwenden lässt, wie eine ganze Reihe tiefsinniger Verse bewies. Manchmal stiehlt sich das Denken über das Schreiben, so der Preisgekrönte begründend.

Autorin: Ines Bode


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