„Für beide Seiten eine neue Erfahrung“: Der erste Burgschreiber von Laufenburg Markus Manfred Jung soll etwas schreiben in Bezug zum Ort, was ihm nicht schwerfallen wird
Markus Manfred Jung, der erste Burgschreiber von Laufenburg, verrät im Gespäch, was ihn mit dieser Stadt verbindet und warum er sich auf das Kulturstipendium beworben hat.
Der künftige Burgschreiber von Laufenburg, der renommierte Literat Markus Manfred Jung aus dem Kleinen Wiesental, plant mit seiner Frau, der Künstlerin Bettina Bohn, ein gemeinsames bibliophiles Werk. | Bild: Jürgen Scharf
VON JÜRGEN SCHARF
Herr Jung, Sie sind der designierte erste Laufenburger Burgschreiber. Was macht ein solcher?
So ganz genau weiß ich das auch noch nicht. Das ist ja für beide Seiten eine neue Erfahrung. Ich denke, ich werde am öffentlichen Leben der Doppelstadt teilnehmen, neugierig beobachtend, werde versuchen, das Besondere im Alltäglichen zu erspüren, Notizen machen und dann darüber schreiben. Welche Form die Texte suchen, weiß ich auch noch nicht. Essayistische Formen sind genauso möglich wie szenische, erzählerische oder lyrische.
Ist diese Funktion also einem Stadtschreiber ähnlich?
Ja, ich denke nur der Name „Burgschreiber zu Laufenburg“ ist da ein anderer.
Weshalb haben Sie sich als in der Region etablierter Autor auf das Stipendium beworben?
Die Ausschreibung hat mich thematisch angesprochen: „Ankommen“. Nach 35 Jahren als Lehrer bin ich ja gerade in einen neuen Lebensabschnitt aufgebrochen und habe versucht, durch eine mehrwöchige Wanderung nach Süden, durch die Schweiz bis zum Lago Mergozzo in Italien, neu anzukommen bei mir und in meinem Leben. Durch den Beruf war es mir bisher nicht möglich, mich auf ein Stipendium zu bewerben. Ich kannte aber schon die inspirierende Wirkung eines Ortswechsels beim sich Konzentrieren aufs Schreiben. Schon zweimal davor, als ich Theaterstücke für die Klausenhof-Freilichtspiele verfassen durfte, habe ich mich in den Hotzenwald zurückgezogen und nur fürs Schreiben gelebt. Laufenburg ist außerdem kulturell eine spannende Doppelgemeinde, die sich trotz Napoleons Machtwort nie hat vollständig trennen lassen. Die Altstadtbrücke mit Zollhaus trennt nicht nur politisch zwei Städte, eine in der Schweiz, eine in Deutschland, sondern verbindet auch kulturell im gemeinsamen historischen Bewusstsein zwei Teile einer Stadt. Ich hoffe, dies zum Beispiel in der gemeinsam gefeierten Fasnacht zu erleben.
Gibt es eine besondere Beziehung von Ihnen zu Laufenburg?
Literarisch gibt es da zwei wichtige Bezüge. Zum einen bekam ich den Auftrag, fürs 800-jährige Stadtjubiläum 2007 ein historisches Theaterstück zu schreiben. „D Bluetschuld vo Laufeburg“ wurde unter der Leitung von Egon Gerteis mehrfach aufgeführt. Zum anderen erlebte ich eine meiner schönsten Lesungen in der Kulturschüüre in Altlaufenburg, zusammen mit Christian Haller und der Rumänin Nora Iuga. Und nicht zuletzt verbinden mich herzliche Freundschaften über die Literatur- und Tangoszene mit dort lebenden Menschen.
Haben Sie sich als Burgschreiber schon etwas Spezielles vorgenommen?
Es gibt schon Ideen, aber ich bin auch noch ganz offen. Vielleicht gelingt es mir, an dem Text weiter zu arbeiten, der mich momentan am meisten beschäftigt. Ich versuche über die Wanderung durch die Schweiz, über dieses Aufbrechen in ein neues Ankommen, literarisch zu schreiben: eine Verbindung zwischen den alemannisch notierten Tagebucheinträgen und in Schriftdeutsch verfassten lebensphilosophischen Betrachtungen herzustellen, was mir im Vorherein spannend und leicht erschien, jetzt beim Schreiben aber seine Tücken zeigt. Außerdem habe ich mir antiquarisch Bücher von Ernst Friedrich Löhndorff besorgt, lese gerade Petra Gabriels „Die Konkubine“, vertiefe mich wieder in Gedichte von Christian Haller, werde sicher erneut das Rehmann-Museum besuchen und anderen Anregungen nachgehen, die ich inzwischen von Laufenburgern und Menschen der Region erhalte.
Gab es eine thematische Vorgabe, sich mit Laufenburger Themen oder der Geschichte der beiden Städte auseinanderzusetzen oder lässt man Ihnen freie Hand?
Natürlich erwartet man schon, dass Laufenburg im Fokus steht genau wie auch das Thema „Ankommen“. Aber konkrete Vorgaben dazu gibt es keine.
Was haben Sie als Schriftsteller gerade in der Mache?
Im Moment ist außerdem ein Band mit alemannischen und hochdeutschen Gedichten eigentlich fertig. Es geht aber noch um die Erscheinungsform, da meine Frau, die Künstlerin Bettina Bohn, und ich wieder ein bibliophiles Kunstwerk wie „Schluchten von Licht“ aus Bild und Text schaffen möchten.
Kann man Sie in Ihrer temporären Schreibklause in Laufenburg besuchen?
Ich werde privat untergebracht sein. Zuerst sechs Wochen im Schweizer Teil der Doppelstadt und dann dieselbe Zeitspanne im deutschen. Ob man mich da besuchen kann, weiß ich noch nicht. Aber man kann sicher Kontakt mit mir aufnehmen per Mail. Und schöne Beizen und Wirtshäuser, wo man sich dann treffen könnte, gibt es in Laufenburg ja einige.
Sind während Ihrer Burgschreiber-Zeit Lesungen, Gespräche oder öffentliche Veranstaltungen geplant?
Ja. Ich werde sicher in Schulen sein zu Schreib-Werkstätten und Lesungen mit Schülerinnen und Schülern. Es wird eine Auftaktveranstaltung am 8. März geben und sicher auch eine Abschlusslesung.
Das Burgschreiber-Stipendium ist ja eine „Auszeit“ vom Alltag und anderer Beschäftigung. Freuen Sie sich darauf?
Jo, i bi richtig wunderfitzig un ha e chaibe Vorfreud.
Fragen: Jürgen Scharf
Kulturstipendium: Alle zwei Jahre soll dieses neue Kulturstipendium beider Laufenburg vergeben werden. Die beiden Städte teilen sich auch das Aufenthaltssalär des Burgschreibers mit 850 Euro pro Monat für die drei Monate vom 1. März bis Ende Mai. Der erste Burgschreiber ist der renommierte Literat Markus Manfred Jung aus dem Kleinen Wiesental.
Zur Person
Markus Manfred Jung, 1954 in Zell im Wiesental geboren, in Lörrach aufgewachsen. Studium von Germanistik, Skandinavistik, Philosophie und Sport. Bis 2018 Lehrer am Gymnasium in Schopfheim. Lebt mit seiner Frau, der Künstlerin Bettina Bohn, in Hohenegg. Besonders als Lyriker (bisher neun Gedichtbände) mehrfach ausgezeichnet. Schreibt Gedichte, Geschichten, Theaterstücke und Hörspiele in Alemannisch und Hochdeutsch. Organisator der Mundart Literaturwerkstatt Schopfheim.
Neues Kulturstipendium beider Laufenburg geht an renommierten Literaten aus dem Wiesental.
Erarbeitet in Laufenburg ein Werk zum Thema „Ankommen“: der frisch gekürte „Burgschreiber“ Markus Manfred Jung Foto: Stefan Ammann
LAUFENBURG (BZ). Der erste „Burgschreiber zu Laufenburg“ heißt Markus Manfred Jung. Der Schriftsteller aus dem Wiesental ist unter 16 Bewerbern zum ersten Träger des neuen grenzüberschreitenden Kulturstipendiums gekürt worden. Jung schreibt Gedichte, Geschichten, Theaterstücke und Hörspiele in alemannischer Mundart und Hochdeutsch. Dazu zählt etwa auch „D’ Bluetschuld vo Laufeburg“ zur 800-Jahr-Feier der Stadt anno 2007.
Jung, 1954 in Zell im Wiesental geboren, lebt mit seiner Frau, der Malerin Bettina Bohn, in Hohenegg im Kleinen Wiesental. Er schloss mit Erfolg Studien in Germanistik, Skandinavistik, Philosophie und Sport ab und war bis vor kurzem als Gymnasiallehrer tätig. Als Schriftsteller konnte er schon diverse Auszeichnungen und Preise entgegennehmen, unter anderem den „Oberrheinischen Rollwagen“ 1989, den Dr.-Alfred-Gruber-Preis (erster Förderpreis) beim Wettbewerb Lyrikpreis von Meran, Italien, 1998, den Lucian-Blaga-Poesiepreis, Cluj Napoca/Klausenburg, Rumänien, 2001, den „Landespreis für literarisch ambitionierte Kleinverlage 2006“ für den Drey-Verlag, den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2007 für „Ikarus“ (mit Uli Führe), den Hebeldank, Lörrach, 2009, und die Hebelplakette, Hausen, 2013. Jung verweist auf 22 Buchveröffentlichungen, darunter sieben Gedichtbände im Inland und zwei zweisprachige im Ausland (Rumänien, Italien). Die Jury um Petra Gabriel und Martin Willi ist nach einer Pressemitteilung „überzeugt, mit Markus Manfred Jung einen ambitionierten und ausgewiesenen Burgschreiber gefunden zu haben, und freut sich auf die Zusammenarbeit mit ihm“.
Der Autor wird drei Monate in Laufenburg wohnen
Der Autor wird von Freitag, 1. März, bis Freitag, 31. Mai 2019, als Burgschreiber vor Ort sein und bei Privatpersonen beiderseits des Rheins wohnen. Am Freitag, 8. März, findet in der Kultschüür in Laufenburg/Schweiz die offizielle Auftaktveranstaltung statt, bei der der erste „Burgschreiber zu Laufenburg“ der Öffentlichkeit vorgestellt wird.
Ich möchte euch auf das neue, bemerkenswerte Buch „Warnlaute vom Tag“ von Ulrike Ebert hinweisen. Es wurde vom Förderkreis Deutscher Schriftsteller In Baden-Württemberg mit einem Stipendium gefördert und soeben besprochen:
Zu einer Veranstaltung der besonderen Art lädt die AG Kulturhaus im Verein
„Brauchtum im Kleinen-Wiesental-Raich e.V.“ alle künstlerisch und literarisch
Interessierten der Umgebung ein:
Am Samstag, 13. Oktober um 18 Uhr ist im Kulturhaus Ried die Vernissage mit
Bildern von Bettina Bohn, Helga Geiger, Liesa Trefzer und – als Gast-Künstler – der
Kolumbianer Ricardo Pulido.
Anschließend, um 19.00 Uhr, findet die dritte Rieder Doppellesung statt, ebenfalls im
Kulturhaus auf dem Rieder Dorfplatz.
Zu beiden Veranstaltungen ist der Eintritt frei, für Bewirtung ist gesorgt.
Die Lesereihe wird vom „Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg“
mitveranstaltet und unterstützt. Mit Heide Jahnke aus Kirchzarten und dem
einheimischen Markus Manfred Jung lesen wiederum zwei prominente Schriftsteller,
die es verstehen, ein Publikum mit Humor und Tiefgang zu unterhalten.
Heide Jahnke hat norddeutsche Wurzeln mit alemannischen Verästelungen. Sie
studierte Psychologie und hat erst spät zum literarischen Schreiben gefunden.
Beiträge in Zeitschriften und Anthologien führten zu einem Stipendium des
Förderkreises Deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg. Zwei spannende
Romane erschienen im Drey-Verlag, „Lauf, Jäger, lauf“, 2007, der zum Teil sogar in
der Gegend spielt, und „Blitze von Ingwer und Minze“, 2009. Drei Gedichtbände gab
sie außerdem im Derk Janßen Verlag, Freiburg heraus, in den Jahren 2012, 2014
und 2016. Die letzte, spektakuläre und erfolgreiche Veröffentlichung ist der im Drey-
Verlag erschienene erotisch-kulinarische Gedichtband: „Die Sahne bebt, der Löffel
zuckt“, 2017. Ein neuer Gedichtband, mit dem Wald als zentrales Thema, ist im
Druck.
Markus Manfred Jung, geb. 1954 in Zell im Wiesental und aufgewachsen in
Lörrach, studierte in Freiburg und Oslo Germanistik, Skandinavistik, Philosophie und
Sport und war von 1985 bis 2018 Lehrer am Theodor-Heuss-Gymnasium in
Schopfheim. Er schreibt Gedichte, Geschichten, Theaterstücke und Hörspiele in
alemannischer Mundart und auf Hochdeutsch. 1989 gründete er zusammen mit
Thomas Burth die Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt. Er ist
Lektor im Gutacher Drey-Verlag und seit 2006 Präsident des Internationalen
Dialektinstituts in Österreich (IDI). „verfranslet diini flügel“ heißt der zuletzt
erschienene Gedichtband, „gopaloni“ ein Band mit Geschichten und Glossen.
Danach erschien „Schluchten von Licht“, ein Gedicht-Bild-Band mit Bildern seiner
Frau, der Künstlerin Bettina Bohn. Unter vielen Auszeichnungen für sein Schaffen
ragen der Lyrikpreis von Meran, Italien, der Lucian-Blaga-Poesiepreis von Cluj,
Rumänien, und der Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik für die von Uli
Führe vertonten Gedichte „IKARUS“ hervor. Außerdem erhielt er in Lörrach den
Hebeldank und in Hausen die Hebelplakette. Als Übersetzer von bekannten
Kinderbüchern ins Alemannische zeigt er seine unbändige Sprachlust.
um 19.30 Uhr, Einlass: 19.00 Uhr
S-Forum der Sparkasse in Schopfheim
Es musizieren, singen und lesen fünf alemannische Dialektautoren
aus der Schweiz, dem Elsass und Baden.
Durch das Programm führt Volker Habermaier.
Verbindliche Anmeldung bis 18.10. erforderlich:
corinna.gutmann@spk-w.de — 07622 696 228
Quelle, mit Erlaubnis übernommen:
http://www.badische-zeitung.de/herrischried/schauspieler-stehen-schon-unter-strom–154259367.html
Von Karin Steinebrunner
Mi, 04. Juli 2018
Herrischried
Premiere des neuen Stücks von Markus Manfred Jung am kommenden Samstag auf dem Klausenhof rückt immer näher.
HERRISCHRIED. „Strom“, das neue Schauspiel aus der Feder von Mundartdichter Markus Manfred Jung, auf der Bühne realisiert durch die Truppe der Freilichtbühne Klausenhof, ist auf der Zielgeraden angelangt. Am Samstag, 7. Juli, um 19 Uhr, ist, so der Wettergott mitspielt, Premiere am Klausenhof in Herrischried-Großherrischwand. Rund 35 erwachsene Darsteller, dazu etliche Kinder, haben sich in zahlreichen Proben mit Regisseur Gotthard Jost und unter der Gesamtleitung von Yvonne Fischer-Lueg darauf vorbereitet.
„Strom“, im Original mit dem griechischen Omega, dem Zeichen für den elektrischen Widerstand, geschrieben, ist die Geschichte der Elektrifizierung auf dem Hotzenwald. So lautet auch der Untertitel des Stücks „Wie der Strom auf den Wald kam“. Dass das nicht reibungslos abging, kann man sich denken, sollte doch zur Stromerzeugung die Wasserkraft der Hotzenwälder Murg genutzt werden. Die aber war seit alters her dank kunstvoll angelegter Bewässerungskanäle, der Wuhre, als Tau- und Bewässerungsquelle für die Wiesen und als Antriebskraft in kleinen Gewerbebetrieben wie Sägen, Schmieden oder Mühlen in Gebrauch. Bei einer weiteren Nutzung fürchteten die Hotzenwälder entsprechend den Verlust ihres kostbaren Wassers.
Auch was die Elektrizität mit dem Wasser, den Fischen, ja sogar ihnen selbst anstellen würde, war etlichen Waldbewohnern unheimlich, wenn nicht gar unvorhersehbar katastrophal. Würde die Elektrifizierung nicht am Ende Gottes Schöpfung auf den Kopf stellen, die Nacht, die Gott doch wohl mit Bedacht geschaffen hatte, zum Tag umwandeln? Andererseits wurden Arbeitsplätze auf dem kargen Wald dringend gebraucht, und die Elektrifizierung versprach diese Arbeitsplätze zu sichern und weitere zu schaffen, sowohl durch den Strom für die Webstühle der Heimweber als auch durch die Möglichkeit, die Weberei auf dem Wald industriell aufzurüsten.
Das Stück von Markus Manfred Jung zeigt die Chancen und die Problematik der Elektrifizierung in der direkten Konfrontation der unterschiedlichen Meinungen innerhalb der Bevölkerung, aber auch die zwischen den offiziellen Parteien geführten Verhandlungen, die letztlich auch in der historischen Realität zu einem für alle Betroffenen gangbaren Ergebnis führten.
Dabei bedient sich der Autor in der schon aus früheren für die Klausenhoftruppe entstandenen Stücken bewährten Manier der exemplarischen Darstellung kontrastierender markanter Charaktere, setzt derben Humor und raue Worte neben beinahe wissenschaftliche Exkurse, kurz: Er bietet ein überaus lebendiges, bunt schillerndes Kaleidoskop der Zeit. Darin nicht fehlen dürfen natürlich auch die beliebten Schulszenen, in denen Kindermund, die Gespräche der Erwachsenen nachahmend, ganz nebenbei dem Zuschauer neue Erkenntnisse liefert. Und auch die Wirtshausszenen sind ein Muss, spielten sich doch Diskussionen und Verhandlungen auch historisch betrachtet tatsächlich zumeist dort ab. Kein Schauspiel ohne Beziehungsdrama. Ferdinand Faller, Fabrikant aus Zell im Wiesental und Vorreiter der Elektrifizierung, verliebt sich in Johanna, die älteste Tochter des Herrischrieder Bürgermeisters Peter Matt. Das missfällt Gerwig Gottstein, dem Sohn eines Sägewerkbetreibers, der ebenfalls ein Auge auf Johanna geworfen hat und ihr seine Absichten deutlich zu verstehen gibt. Gemeinsam mit seinem Vater kämpft er auch in Sachen Strom gegen seinen Rivalen an.
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Theater mit Decken
Die Aufführungen der Klausenhoffestspiele 2018 mit dem Schauspiel „Strom“ von Markus Manfred Jung finden statt vom 7. bis 29. Juli, jeweils Samstag und Sonntag, Vorstellungsbeginn samstags 19 Uhr, sonntags 18 Uhr. Karten sind erhältlich am Klausenhofkiosk, bei der Tourist-Information Herrischried sowie über Reservix, die Anmeldung von Gutscheinkarten läuft über die Homepage der Freilichtbühne, ebenso wie die Schaltung der Ansage, ob bei zweifelhaftem Wetter gespielt wird, zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn. Wie gewohnt gibt es gleichzeitig auch ein aktuelles Wettertelefon unter Tel. 07764/9337490. Die Veranstalter weisen zudem darauf hin, dass es abends auf rund 900 Metern Höhe schnell abkühlt, weshalb die Zuschauer gebeten werden, sich ausreichend mit warmer Kleidung und gegebenenfalls zusätzlich mit Decken auszurüsten.
Liebe Freundinnen und Freunde der internationalen Mund-Art Kultur,
wir möchten euch herzlich zur 30. Auflage der Internationalen Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt einladen. Renommierte Autorinnen und Autoren aus sechs unterschiedlichen Dialekträumen diskutieren miteinander und arbeiten in der Werkstatt (Stadtbibliothek Schopfheim) an ihren Texten zum Thema „Über alli Grenze – Grenzen überschreiten“. Interessierte ZuhörerInnen sind dazu eingeladen, aber besonders natürlich zu den Öffentlichen Auftritten, Lesung mit Liedermacherprogramm. Diese sind am
Freitag, 23.03.2018: in Weil am Rhein (20h00) im „Stapflehus“, Altweil, am Lindenplatz.
Samstag, 24.03.2018: in Schopfheim (20h00) in „Sankt Agathen“, Schopfheim-Fahrnau, Hauptstr. 257
Sonntag, 25.03.2018: in Basel (11h00), Allgemeine Lesegesellschaft Münsterplatz 8, direkt neben dem Münster
Die Teilnehmer sind: Dr. Hans Dieter Mairinger aus Linz/Österreich, Elfi Neubauer-Theis aus Neckarbischofsheim mit nordbadischem Fränkisch, Rolf Pressburger, Schwäbischer Liedermacher aus Backnang, Albert Strickler mit Elsässer-Alemannisch aus Sesenheim/Frankreich, Berta Thurnherr-Spirig aus Diepoldsau/Schweiz, dazu ich, Markus Manfred Jung. Als Moderator begleitet uns mein Freund und Kollege Volker Habermaier, Schwabe von Herkunft. Also international, wie gewohnt.
Quelle: Badische Zeitung, veröffentlichung mit Genehmigung des Autorin Helle Trede
Federeliicht im Skimuseum
Markus Manfred Jung und Uli Führe sorgen für ein besonderes Hörerlebnis.
HINTERZARTEN. Es gibt noch Schätze im Schwarzwald, man muss sie nur finden. Der Leiter des Schwarzwälder Skimuseums, Alfred Faller, hieß ein volles Haus willkommen, um zwei regionale Künstler von höchster Qualität und Sensibilität vorzustellen. Uli Führe, Musiker, Hochschullehrer und Dichter, und Markus Manfred Jung, bekannter Mundartdichter, Lehrer am Gymi z’ Schopfe und Sprecher dieses einmaligen Dialekts.
Was würde besser in dieses 300 Jahre alte Haus passen! Wie viel von dieser schönen Sprache schläft noch zwischen den alten Balken und wird hervorgezaubert; beispielsweise im Gedicht von Markus Manfred Jung, das dem Abend den Titel verlieh, und vertont von Uli Führe:
Federeliicht
au mi
hät er verführt
de wind
dä wolketrieber
wo federeliicht fingerlet
im fine hoor
vo dir
Führe entlockt der Mandoline den Wind wie Harfentöne und entfaltet sogleich seine Stimme im kraftvollen Zupacken bis hin zu den feinen Fäden.
Führes Vertonungen leben fernab unserer Hörgewohnheiten; und er entfaltet mit seinem Instrumentarium: E-Bass, Gambe, Mandoline, Gitarre, seiner Stimme und der Looperstation wahre Feuerwerke; technisch hochgerüstet ist seine Ausstattung, die sich das alte Haus gefallen lassen muss, und die sich einfügt in jede Zeit. Führe gibt einen Teil seiner Kompositionen in den Looper, singt und speist auch den Gesang in die Station, lässt die Mischung zu sich zurückkommen, so, als fordere sie ihn heraus – tut sie ja auch – es ist ein Gespräch – Führe redet mit dem Looper – es scheint so, als erschrecke er manchmal vor dem, was ihm da entgegenkommt, aber problemlos sind seine Antworten. Und der Kommentar des Freundes Markus Manfred Jung: „So, des isch jetzt de Uli Führe Chor gsi“. Es trügt nicht der Eindruck, als entstünden die Lieder gerade jetzt, hier, im Museum.
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Markus Manfred Jung steht lächelnd daneben: „Wir treffen uns ja vorher und legen fest, was wir machen wollen, aber oft kommt dann was ganz anderes heraus – das macht den Abend spannend, und so haben Sie gerade eine Uraufführung gehört“. Wovon es an diesem Abend noch mehr geben wird. Die beiden Künstler sind perfekt aufeinander eingespielt.
In unruhigen Zeiten wie diesen, ist es wohltuend auf die Wurzeln einzelner Wörter hingeführt zu werden. Markus Manfred Jung tut das mehrfach – man hat das Gefühl, er wohnt geradezu in seinem Wiesentäler Dialekt. Dann sagt er: „Mängmol kaie eim do d’ Wörter so zue, man muss sie nur auflesen.“
Wenn Jung zum Beispiel eines seiner Gedichte ins Hochdeutsche übersetzt, merkt man den Unterschied – es fehlt etwas. Es ist wie ohne Wurzeln sein – während das Wiesentäler Alemannisch einen beheimatet. Dazu sagt Jung, dass die Menschen und die Räume sehr wichtig seien. Erst dann können sie zur „Hochform“ auflaufen, und es sei ein Glück gewesen, dass sie einander entdeckt hätten:
„I bin ins glück
gheit
glücksfall
zuefällig halt
hebschs uf un
hebe mer is
hebts“
Die gegenseitige Wertschätzung ist allenthalben zu spüren.
Im zweiten Teil des Abends wird es persönlich. Wenn etwa Führe seinem Sohn ein Lied widmet, Diesem „trotz allem wunderbaren Mann“ oder seine Tochter ihm Tipps zur Partnerwahl erteilt, oder wenn er die “ Sekte mit den gesenkten Köpfen“ beschreibt und mit dem Handy eines Besuchers demonstriert, wie Menschen im Zeitalter der Handys „wandern durch Häuser und Straßen / sind in Trance / keine Chance“
Und wieder springt Führe ein Wort aus Jungs Gedicht in den Mund und entwickelt einen ganz eigenen Gesang über lange Strecken: „z’spot“ zum Beispiel. Da gibt es kein Halten mehr. Oder beim Wort „Strandhafertanz“. Das Publikum ist inzwischen elektrisiert und singt mit. Was mag da noch kommen, fragt man sich.
Ein Abend, tiefsinnig, Heiter, bewegend und unterhaltend. Jeder, da darf man sich sicher sein, hat alles verstanden und kann das jetzt mit sich herumtragen und weitersagen. Was für ein Glück, denkt man, dass wir so einen “ Schatz“ bei uns finden können.