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Mit Markus Manfred Jung: Zebrano-Theater: Geschmacksverstärker 10/2020 (Video)

Geschrieben: 15. Oktober 2020 | Autor: | Kategorisiert unter: Allgemein | Keine Kommentare »


Trost zum Hebel-Fest

Geschrieben: 12. Mai 2020 | Autor: | Kategorisiert unter: Allgemein | Keine Kommentare »


s wort (Video)

Geschrieben: 23. März 2020 | Autor: | Kategorisiert unter: Allgemein | Keine Kommentare »


[abgesagt] 01.04.2020, 19h30, Zebrano-Theater, Lenbachstr. 7A, 10245 Berlin-Friedrichshain

Geschrieben: 11. März 2020 | Autor: | Kategorisiert unter: Allgemein | Keine Kommentare »

Geschmacksverstärker: Liederatur im Tetrapack mit Andreas Albrecht, Holger Saarmann und als Gästen mit der Sängerin Esther Buser/CH und dem Lyriker und Erzähler Markus Manfred Jung


27.-29.03.2020, 32. Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt

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Wegen der Corona-Epidemie auf einen noch unbekannten Termin im Herbst 2021 verschoben.

 

32. Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt

mit öffentlichen Veranstaltungen in Weil, Schopfheim und Basel 

Nunmehr schon zum 32. Mal treffen sich die Freunde literarischer Mundart-Dichtung hier in der Region. Die „Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt“ findet vom 27. bis 29. März 2020 wieder im gewohnten Rahmen statt. Erste öffentliche Lesung ist schon traditionell am Freitag, 20h00 im Stapflehus in Altweil. Nach der Werkstattarbeit in der Stadtbibliothek Schopfheim am Samstag zum Thema Das Paradies auf Erden und dem Empfang im Rathaus ist abends um 20h00 der Auftritt in Sankt Agathen, Schopfheim-Fahrnau. Ebenso treten die Autorinnen und Autoren wieder am Sonntag, 11h00, in der Bibliothek der „Allgemeinen Lesegesellschaft Basel“, direkt neben dem Münster, auf. Es wird eine äußerst spannende Mischung von Dialekten zu hören sein, wenn zum Beispiel der Hochschwarzwälder Conrad Schierenberg mit seinem urwüchsigen Alemannisch auf die Vorarlberger Österreicherin Astrid Marte trifft oder das junge Schweizer Liedermacherduo WunderKram, Sonja Wunderlin und Gabriel Kramer aus Laufenburg, auf den Nordbadener Thomas Liebscher mit seinem südfränkischen „Badisch“. Schullesungen und Werkstattarbeit mit Schülerinnen und Schülern finden am Georg-Büchner-Gymnasium in Rheinfelden, am Theodor-Heuss-Gymnasium in Schopfheim und dem Meret-Oppenheim-Schulzentrum in Steinen statt.

Folgende Mundartautorinnen und –autoren sind diesmal dabei:

 

Astrid Marte, geboren 1958 in Satteins im österreichischen Bundesland Vorarlberg, ist Volksschullehrerin. Sie schreibt Lyrik und Kurzprosa in Schriftdeutsch und Satteinser Mundart. Für sie bedeutet Schreiben Kreativität, Lebensbewältigung und Mitteilung. Die Lyrik ist dabei ihr „Liebkind“, weil sie gerne singt. Gedichte sind für sie singbare Texte. Mit knappen, “ver-dichteten“ Worten kann sie Bilder malen, einen Rhythmus finden, eine Stimmung schaffen, in welcher der Leser mit ihr nachdenken, lieben, lachen, weinen oder toben kann. Für ihr Lyrikschaffen wurde sie schon mehrfach ausgezeichnet. Texte von ihr sind in mehreren Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht. Sie ist verwitwet, hat drei Kinder und fünf Enkel. www.idi-dialekt.at

An Enkile

Wenn dir

di Kind seet

dass as a Kind kriagt

gôhts im Sekundatakt

Sprôchvrluscht

Pulsstolperer

Hirnleere

Herzfülle

und an Umarmig zu dritt

denn a lange Lischta

wenn und abr

schlôflose Nacht

Ogaränd am nöschta Môrga

und schô set dr Spiagl

Grüaß di Oma!

 

Sonja Wunderlin und Gabriel Kramer aus dem Schweizer Laufenburg treten zusammen seit 2005 als Duo WunderKram mit eigenen Liedern und Kompositionen auf, zuletzt festgehalten auf der CD „Fisch un Vogel“ (2014). Zusammen haben sie auch das Liederbuch mit CD „Schwizer Volksliedli“ (2011) herausgegeben. Sonja Wunderlin, 1983 geboren, ist Naturärztin mit eigener Praxis in Laufenburg und Musikerin. Ausgesprochen vielseitig tritt sie hervor mit Gesang und mit Spiel auf Dudelsack, Chalumeau, Ocarina, Historischen Knochen- und Hornflöten, Saxophon, Schalmei, Gitarre und Akkordeon. Außer im Duo mit ihrem Lebenspartner präsentiert sie sich auch in den Gruppen TRIONETTLI und Sidian mit Folk-Musik (CD „rostlos“, 2014) und in Schellmery mit historisch inspirierter Musik auf alten Instrumenten (CD „mira clar tenebras“, 2018). www.sonjawunderlin.ch. Gabriel Kramer, 1976 geboren, ist nach einer Ausbildung zum Maschinenzeichner und nach Studien an der Schule für Gestaltung in Basel Musiker geworden. Er spielte schon in über 20 Formationen mit und tritt zur Zeit auf mit „Dampfbühler“, „Hinterwäldler“, „Foifer&Weggli-Trionettli“ und „Mattermania“. Auf inzwischen 15 CDs ist er zu hören, zuletzt mit Hinterwäldler auf „Bluegrass/Country in Mundart (2018) und „rootsmusic/americana in Mundart“ (2020) sowie mit Mattermania auf „Fritz“ mit Mani-Matter-Liedern (2017). Er begleitet seinen Gesang gerne mit der Gitarre sowie allen erdenklichen Saiten-Zupf-Instrumenten. www.schafsinn.ch und www.dampfbuehler.ch

Erinnerig an Mathe-Unterricht

(Auszug aus einem Liedtext von Sonja Wunderlin)

I sitz a mim Pültli,

Studier s Liecht uf sine Hoor.

Und de Herr Roth referiert über Zahle.

Er traktiert mit Subtraktione,

Frogt plötzlich: Frau Sonja – wievil git’s? – I säg: Herr Roth,

I ha s nit so mit Zahle!

Au wenn i nüt vo Math verstand,

Chum i doch gärn in ihri Stund,

Studier uf mini Art, cha mi verwyle.

Herr Roth, chönnte si mol cho?

Ufem Blatt chumi zu keim Resultat?

D Lösig lyt doch zwüsche de Zyle.

Jo, de Lösigswäg wär klar.

Aber so eifach isches nid, Herr Roth,

Will die fiese Brüch mache mer e Strich dur d Rächnig.

Die Stunde si es Gschänk,

Solang i nid as Rächne dänk:

Quotiänt, Dividänd, Mmmmmmmmmhh, Summe!

 

wo Gott hockt

(Auszug aus einem Liedtext von Gabriel Kramer)

mir sind Fleisch und mir sind Bluet

mir sind Geist und Geld und Guet

und irgendwie simmer no meh

mir gsehnd über eus de Himmel

Wind und Wetter, Wolke, Vögel

und irgendwie gohts nöime’n immer witer

Gottverdammt simmir do unde

mir schlönd eus eusi eigni Wunde

und mir sueched nur verzwyflet, finded nüt

mir wärded stumpf und blöd und fett

mir mached alls was Gott verbote het

und fahred eus und alles gäge d Wand

Thomas Liebscher, geboren 1961 in Bruchsal, ist aufgewachsen und hat „Dialekt gschwätzt“ im vorderen Kraichgau, im Ort Bad Schönborn. Nach dem Abitur 1981 studierte er Germanistik und Politikwissenschaft in Freiburg, Heidelberg und Montpellier, spielte Theater und trat auf als Kabarettist. Er ist Redakteur bei der Tageszeitung Badische Neueste Nachrichten (BNN) in Karlsruhe, verantwortlich für Porträts, Kultur und Sport. Seit 2019 schreibt er in der Lokalredaktion Bruchsal. Zudem präsentiert er wöchentlich Mundartwendungen auf BNN Instagram und pflegt unregelmäßig die Rubrik „Badisch von unne un owwe“ mit Mundartbetrachtungen. Er lebt in Hockenheim. Inzwischen liegen von ihm einige Mundart-Gedichtbände vor, zuletzt, „S isch immer ebbes, awwer net wie’s sei soll“ (2005) und „Alderle!“ (2011). Außerdem ist er Herausgeber diverser Anthologien, z.B. „Nuffzus, nunnerzus, newedran“ (2015). Er erhielt zwischen 1994 und 2002 mehrfach einen nordbadischen Mundartpreis für Lyrik, den Pamina-Kulturpreis Baden (2003) und einen Preis für die beste Neuerscheinung beim pfälzischen Mundartdichterwettstreit in Bockenheim. Im Regierungsbezirk Karlsruhe ist er Mitorganisator und Juryvorsitzender des Wettbewerbs Gnitzer Griffel“ und war 2019 Mitbegründer und seither Betreiber der Autorenplattform www.badische-gutsele.de

 

Ufschnapsel:

Im Café

Am schwierigschde ischs,

de richdiche Disch zu finne,

wenn alle frei sin.

 

Beim Griech

 

Sagt en Gascht beim Bestelle:

Un mei Fraa kriegt es Lamm-Hüfte.

Dodruf der Wert:Was alles gibt!

Wo lässt se des mache?

 

Heimat

 

Heimat isch dort,

wo mer spätoweds de Burmoschder anruft,

weil de Kanaldeckel wackelt.

 

Conrad Schierenberg, geboren 1937, wuchs auf in ärmlichen Verhältnissen auf einem Bauernhof in Menzenschwand im Hochschwarzwald, ohne formale Schulbildung, und arbeitete als Stallknecht, Holzfäller und Hilfsarbeiter. Er floh aus der Enge nach Paris, erlernte dort das Malen und lebte dann lange erfolgreich als Künstler in London und Südost-Asien. Erst mit ungefähr 50 begann der Autodidakt auch literarisch tätig zu werden und entdeckte zwanzig Jahre später das lyrische Potential seines alemannischen Dialekts. Beheimatet ist der Maler und Dichter heute mit seiner Lebenspartnerin, der Bildhauerin Mechthild Ehmann, in Happingen, Gemeinde Dachsberg, auf dem Hotzenwald. Erschienen von ihm sind die Bücher „Liest kei Sau – 362 ernste und un-ernste, hochdeutsche und alemannische Verse“ sowie „Sein und Sagen“, Lyrik, 500 Sonette, beide 2018, und „Für die vo do“, Verse aus dem Südschwarzwald (2020). Als Lesenden seiner eigenen Gedichte kann man ihn auf YouTube hören, seine Bilder und Texte ansehen und lesen auf www.conrad-schierenberg.de.

Der Morgen

D‘Nacht isch fascht umme, wie im Traum lit d‘Welt

No niemer denkt dra, dass er si wet störe

De Wald schlieft nomol undere bim Feld

Wie gern will eis doch im en andere ghöre.

Ganz langsam aber würd de Himmel hell

Und liisli chönntsch di erschte Vögel höre

S‘stoht alles, wie‘s tät warte, n‘a siere Stell

Dem neue Morge cha mr nümme wehre.

Schlofchappe, würd do niemer wachber bald?

Jéds hät no d‘Auge zue, doch duets scho lose

Wie s‘Nochbers Gückel chrait, au dunkt‘s eim chalt

s isch jo um die Zit d‘Sunne n‘au no niene

Chumm leg di a, wo häsch nu wider d‘Hose

De Tag isch do – de muesch em jetz go diene!

Markus Manfred Jung, geboren 1954 in Zell im Wiesental, aufgewachsen in Lörrach, studierte Germanistik, Skandinavistik, Philosophie und Sport in Freiburg/Breisgau und Oslo/Norwegen. Er schreibt Prosa, Lyrik, Theaterstücke und Hörspiele in Hochdeutsch und alemannischer Mundart. Er war Lehrer am Theodor-Heuss-Gymnasium in Schopfheim, ist Schriftsteller und lebt mit der Malerin Bettina Bohn in Hohenegg, Kleines Wiesental. Mit ihr zusammen gab er den Bild-Gedichtband „Schluchten von Licht“ heraus. Zuletzt erschienen „Ankommen in Laufenberg“, Texte, die er als 1. Burgschreiber zu Laufenburg geschrieben hat, und noch ganz druckfrisch der vierte Glossenband „wenn i e rebschtock wär“. Außerdem schuf er alemannische Nachdichtungen für die Kinderbücher „Die Häschenschule“, Wilhelm Buschs „Max&Moritz“ und Sybille Olfers’ „Etwas von den Wurzelkindern“ und zusammen mit Wendelinus Wurth „Meine ersten tausend Wörter auf Alemannisch“. Er begründete 1989 mit Thomas Burth die „Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt“. www.markusmanfredjung.de

Hohenegg

über d Hörner her

dräut s

schwefelgääl aaglüüchtet

vo unten us de Holl

rueßigi wolke

wien e falschis gebätt

wien e fluech

so schnell

si schiebe sich

vor e hööchre himmel

wo grad no

hell im blau

es chunnt

 

Volker Habermaier, Oberstudiendirektor und Schulleiter des Georg-Büchner-Gymnasiums in Rheinfelden, Präsident des „Hebelbund Lörrach“, ist seit fünfzehn Jahren Moderator der Literatur-Werkstatt und der Mund-Art Veranstaltungen. Der aus dem Schwabenland stammende Germanist und Historiker publiziert wissenschaftliche Aufsätze zu literarischen, historischen und musikalischen Themen. Zudem ist er Schulbuchautor und Verfasser fachdidaktischer Arbeiten, auch zur Mundartliteratur. Er lebt mit seiner Familie in Schopfheim-Kürnberg.

(mmj, zVg)


Zum Jahresschluss 2019

Geschrieben: 11. Dezember 2019 | Autor: | Kategorisiert unter: Allgemein | Keine Kommentare »

Liebe Interessierte an meinem literarischen Schaffen,

nachdem ich im Frühjahr ein Vierteljahr Stipendiat in der Doppelgemeinde Laufenburg CH/D sein durfte, als „1. Burgschreiber zu Laufenburg“, hat die Doppelgemeinde als Herausgeber nun meine in der Zeit entstandenen Texte, die sich direkt auf den Aufenthalt und die Stadt bezogen, veröffentlicht. Im Buch enthalten ist auch mein Theaterstück, das ich 2007 zum 800-Jahrejubiläum der Stadt geschrieben hatte.

Band mit Essays, Geschichten und Gedichten, hochdeutsch und alemannisch: Ankommen in Laufenburg, Edition Burgschreiber 2019 im Drey-Verlag, Gutach

Die Buchvorstellung wird erst am 29.01.20 in Laufenburg in Café-Buchhandlung am Andelsbach (Renata Vogt) sein, und wohl erst dann wird das Buch auch im Buchhandel zu erwerben sein (15.- €). Falls jemand aber ungeduldig ist, kann er „Ankommen in Laufenburg“ schon gerne jetzt bei mir erhalten.

Eine ruhige, frohe Adventszeit wünscht

Markus Manfred Jung

oben links:

Markus Manfred Jung, Petra Gabriel (Autorin), Uli Führe (Musiker)

oben rechts:

Markus Manfred Jung, Uli Führe (Musiker)

unten:

Bürgermeister Ulrich Krieger (Laufenburg, D), MMJ, Stadtamann Herbert Weiss (Laufenburg, CH).

Publikation genehmigt via Drey-Verlag


rägesuur / Bim Doktor (alemannische Texte und ein Plädoyer für Dialekt-Rap)

Geschrieben: | Autor: | Kategorisiert unter: Allgemein | Keine Kommentare »


Markus Manfred Jung: Dialektgedichte + Video, incl. Ausschnitt aus dem Dialekt-„Max undMoritz“

Geschrieben: 9. September 2019 | Autor: | Kategorisiert unter: Allgemein | Keine Kommentare »


Laufenburgs Burgschreiber Markus Manfred Jung verabschiedet sich

Geschrieben: 28. Mai 2019 | Autor: | Kategorisiert unter: Allgemein | Keine Kommentare »

Hier finden sich zwei Presseberichte über die Abschiedsveranstaltung:

https://www.badische-zeitung.de/laufenburg/burgschreiber-von-laufenburg-verabschiedet-sich
https://www.suedkurier.de/region/hochrhein/laufenburg/Drei-Monate-war-Markus-Manfred-Jung-Burgschreiber-von-Laufenburg-Was-er-erlebt-hat-koennte-vier-Buecher-fuellen;art372611,10161759

Laufenburgs erster Burgschreiber Markus Manfred Jung möchte die alemannische Sprache am Leben erhalten

Geschrieben: 14. März 2019 | Autor: | Kategorisiert unter: Allgemein | Keine Kommentare »

Links: Bürgermeister Krieger (D), rechts Stadtammann Weiss (CH), Mitte: Burgschreiber Markus Manfred Jung

Foto: Roswitha Frey
Von Roswitha Frey, beides mit Genehmigung, danke.

So, 10. März 2019

LAUFENBURG. Seit einer Woche ist der Autor Markus Manfred Jung als erster Burgschreiber von Laufenburg in Aktion. Er hat sein Quartier im schweizerischen Laufenburg bezogen, sammelt Ideen fürs Schreiben und hat überall sein Notizbüchlein dabei. Dies verriet der Dichter aus dem Kleinen Wiesental bei der Auftaktveranstaltung am Freitag in der Kultschüür, wo er einiges aus seiner Mundartlyrik, Geschichten und Alltagsglossen vortrug.

Bei diesem Anlass überreichten Bürgermeister Ulrich Krieger und Stadtammann Herbert Weiss dem Literaten die Burgschreiber-Urkunde. Als Moderator begrüßte Martin Willi, der zusammen mit Ideengeberin Petra Gabriel dieses Kulturstipendium beider Laufenburg initiiert hat, auch Regierungsrätin Franziska Roth vom Kanton Aargau unter den Ehrengästen. Literatur zu fördern, dem geschriebenen Wort zu mehr Beachtung zu verhelfen, und nicht zuletzt ein Werbeeffekt für die beiden Städte: Das waren Auslöser für dieses Stipendium, das von den beiden Städten unterstützt wird. Der Burgschreiber hat während seines dreimonatigen Aufenthalts freie Hand, was er aus dem vorgegebenen Thema „Ankommen“ mit Bezug zu Laufenburg macht. Es könne, wie Willi spekulierte, ein Gedichtband werden, ein Theaterstück oder ein Liebesroman…

Sein Notizbuch sei schon nach einer Woche so voll, dass er gleich loslegen könne, sagte Markus Manfred Jung. Er fühle sich hier sehr wohl, dankte er seinen Gastgebern, aber auch den Historikern Hannes Burger und Martin Blümcke, die ihm die Türen zu Museen und Archiven öffnen. Viele Leute hätten ihn schon angesprochen und ihm Tipps gegeben. „Eine einzige Eloge, ein Loblied auf Laufenburg“ zu schreiben, wäre aber zu langweilig, meinte Jung, dem als Ideal ein zwölfteiliger Gedichtzyklus vorschwebt.

Die Ansprüche an ein solches Stipendium seien „nicht ohne“, weiß der arrivierte Autor und pensionierte Gymnasiallehrer aus Hohenegg. Im Moment arbeite er jeden Morgen daran, aus einem Tagebuch in alemannischer Sprache, das er während einer Wanderung durch die Schweiz bis nach Italien geführt hat, einen größeren Prosatext zu machen. Darin verarbeitet er Gedanken über das Aufbrechen, das Ankommen, Wehmut, das Unterwegssein und die Begegnungen auf dieser Wanderung.

Auch Laufenburg spiele darin eine Rolle, erzählte der 65-Jährige, der die drei Seiten seines literarischen Schaffens als Theaterautor, Kolumnist und Mundartlyriker vorstellte. So hat er mehrere Theaterstücke für Herrischried geschrieben, auch ein Historienspiel für Laufenburg, betitelt „D Bluetschuld vo Laufenburg“, über Geschehnisse im Dreißigjährigen Krieg und einen mutigen Pfarrer, der unter Folter einen Entflohenen nicht verraten hat. In der Mundartlyrik sei es ihm wichtig, die alemannische Sprache am Leben zu erhalten, damit sie nicht im Museum lande. Aus den Bänden „Verruckt kommod“ und „Gopaloni“ las Jung einige Gedichte und Geschichten, in denen er Alltagseindrücke auf den Punkt bringt. So das jahreszeitlich passende „Früehlig“ über die Sehnsucht, nach einem langen Winter mit offenem Verdeck zu fahren und von Erdbeeren und Spargel zu träumen. Weil am Freitag internationaler Frauentag war, las Jung den Text „Mona Lisa“ über eine Beobachtung in einem Café in der Kaiserstraße in Waldshut, wo eine Dame mit lackierten Nägeln ungeniert ihren Kaugummi unter den Tisch klebte. In „Ganz kulant“ glossiert er voller Ironie seine Erlebnisse auf einer Bank in Basel. Auch die Handy-Manie nimmt Jung aufs Korn in Texten über eine Schweizerin, die übers Natel fragt: „Hesch mi Message übercho?“, und eine junge Frau auf dem Markt, die sich am Handy über das Schlangestehen beim Kartoffelstand aufregt. Wie genau und kritisch-satirisch er seine Umwelt beobachtet, wie innovativ und pointiert er die alemannischen Sprache einsetzt, hörte man in Gedichten, die mit der Gegend zu tun haben. Seine Hebel-Verehrung verflocht Jung in dem eindrücklichen Gedicht über den Totentanz in Basel. Zum Schluss trägt er ein neues Gedicht vor, „Dä Nebel“, in dem er den Nebel bildhaft und atmosphärisch dicht als gezupfte Wolle und Milchsuppe beschreibt.

„Viel Inspiration, Ideen und eine gute Zeit in Laufenburg“ wünschten Willi und die Stadtoberhäupter dem Burgschreiber. Bürgermeister Ulrich Krieger fand es wichtig, in digitalen Zeiten von Twitter und Facebook der literarischen Sprache und dem Buch mehr Bedeutung und Wert beizumessen. Deshalb freue er sich, mit Jung einen Schriftsteller hier zu haben, der die Mundart pflegt und Literatur für alle Generationen erlebbar macht.

Jung wird in den kommenden Wochen an der Kreisschule einen Workshop mit Schülern machen und bei einem Frühschoppen in der Kulturwerkstatt Sulz und in der Bibliothek lesen. Im April zieht er ins badische Laufenburg um, wo er in der Hans Thoma-Schule eine Stunde abhält und bei Buch & Café am Andelsbach und in der Stadtbücherei Lesungen macht. Roswitha Frey

Termine des Burgschreibers: Lesung am 24. April, 19.30 Uhr bei Buch & Café am Andelsbach, 25. Mai, 19 Uhr, Abschlusslesung in der Stadtbücherei

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